Beitragsbild: mit KI erstellt (Symbolbild)
Nachhilfe bezeichnet zusätzliche, meist außerschulische Lernförderung, die Schüler:innen individuell bei schulischen Inhalten unterstützt. Sie reicht von der klassischen Einzelstunde über Gruppenangebote bis zu Online-Formaten und wird sowohl privat finanziert als auch über staatliche Programme gefördert.
Verbreitung und Kosten
Nach einer repräsentativen Elternbefragung der Bertelsmann Stiftung (Klemm/Hollenbach-Biele, 2016) erhalten rund 14 Prozent der Schüler:innen zwischen 6 und 16 Jahren in Deutschland privat finanzierte oder kostenfreie Nachhilfe. Eltern geben dafür zusammen rund 879 Millionen Euro pro Jahr aus, im Schnitt etwa 87 Euro monatlich pro Kind. Am gefragtesten sind die Hauptfächer Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen.
Internationale Vergleiche zeigen, wie unterschiedlich stark Nachhilfe – international auch als „Schattenbildungssystem“ (shadow education) bezeichnet – genutzt wird: In Ländern wie Südkorea oder Japan nimmt ein Großteil der Schüler:innen an bezahlter Nachhilfe teil, deutlich mehr als in Deutschland. In der deutschen Bildungsdebatte wird Nachhilfe daher auch als Indikator für ungleiche Bildungschancen diskutiert, da sich nicht jede Familie zusätzliche Förderung leisten kann – ein Thema, das eng mit dem Grundsatz der Chancengleichheit im Bildungssystem verknüpft ist.
Staatliche Förderung: das Bildungs- und Teilhabepaket
Seit 2011 können Familien mit geringem Einkommen über das Bildungs- und Teilhabepaket finanzielle Unterstützung für Lernförderung sowie für Schulmaterial, Mittagessen oder Klassenfahrten erhalten. Ein zentraler Baustein ist die Lernförderung: Anspruchsberechtigt sind unter anderem Familien, die bestimmte Sozialleistungen beziehen; die Antragstellung läuft meist über das Jobcenter oder Sozialamt, wobei die Schule bestätigen muss, dass Nachhilfe zur Erreichung der Lernziele erforderlich ist. In der Praxis wird das Angebot nach Einschätzung von Sozialverbänden nicht von allen Berechtigten genutzt, oft aus Unkenntnis über den Anspruch.
Formate der Nachhilfe

- Einzelnachhilfe: persönliche 1:1-Betreuung, geeignet bei spezifischem Förderbedarf.
- Gruppennachhilfe: mehrere Schüler:innen lernen gemeinsam, meist in kleinen Gruppen; fördert zusätzlich soziale Kompetenzen.
- Online-Nachhilfe: ortsunabhängig, ermöglicht Zugang zu Lehrkräften unabhängig vom Wohnort.
- Hausaufgabenhilfe: regelmäßige Begleitung beim täglichen Lernpensum.
- Prüfungsvorbereitung: gezielte, zeitlich begrenzte Förderung vor Klausuren oder Abschlussprüfungen.
Verwandte Unterstützungsformen setzen an anderer Stelle an: Tutorien begleiten meist im Studium durch erfahrene Studierende, während Mentoring und Coaching eher auf persönliche und berufliche Entwicklung zielen als auf konkrete Fachinhalte.
Nachhilfe bei besonderem Förderbedarf
Bei Lernschwierigkeiten wie Legasthenie oder Dyskalkulie reicht der reguläre Unterricht oft nicht aus, um gezielt an den zugrundeliegenden Schwierigkeiten zu arbeiten. Spezialisierte Nachhilfe mit entsprechend geschulten Lehrkräften kann hier gezielter ansetzen als allgemeine Förderung. Ähnliches gilt für Kinder mit Hochbegabung oder ADHS, deren Bedürfnisse im regulären Unterricht häufig zu kurz kommen: Passgenaue Angebote unterstützen hier sowohl die fachliche als auch die sozial-emotionale Entwicklung und tragen zu einer gelebten Inklusion im Schulalltag bei.
Qualität und Auswahl von Nachhilfelehrkräften
Für den Lernerfolg zählt neben fachlichem Wissen vor allem die didaktische Eignung der Lehrkraft. Sinnvolle Kriterien bei der Auswahl sind ein passender fachlicher Hintergrund, Erfahrung mit der jeweiligen Altersgruppe oder Lernschwierigkeit sowie Referenzen. In Befragungen wünschen sich Schüler:innen von ihren Nachhilfelehrkräften regelmäßig vor allem Verständnis, Geduld und die Fähigkeit, Inhalte klar zu erklären – Eigenschaften, die sich nicht allein an Zertifikaten ablesen lassen, weshalb ein persönliches Kennenlernen vor Beginn der Nachhilfe empfehlenswert ist.
Häufig gestellte Fragen
Wer hat Anspruch auf kostenlose Nachhilfe über das Bildungspaket?
Anspruchsberechtigt sind in der Regel Familien, die bestimmte Sozialleistungen wie Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen. Die Schule muss bestätigen, dass die Lernförderung notwendig ist, etwa weil eine Versetzung gefährdet ist.
Ist Einzel- oder Gruppennachhilfe besser?
Das hängt vom Bedarf ab: Einzelnachhilfe eignet sich besser bei spezifischen, individuellen Problemen, Gruppennachhilfe ist meist günstiger und fördert zusätzlich den Austausch mit Gleichaltrigen.
Kann Online-Nachhilfe Präsenzunterricht ersetzen?
Für viele Zwecke ja, insbesondere wenn Flexibilität und Verfügbarkeit wichtig sind. Bei stark ausgeprägten Lernschwierigkeiten oder wenn persönliche Bindung im Vordergrund steht, wird Präsenznachhilfe häufig als wirksamer empfunden.
Woran erkenne ich, ob mein Kind Nachhilfe braucht?
Typische Signale sind dauerhaft schlechte Noten trotz Lernaufwand, Frustration bei den Hausaufgaben oder eine drohende Versetzungsgefährdung. Ein Gespräch mit der Klassenlehrkraft hilft einzuschätzen, ob punktuelle oder längerfristige Unterstützung sinnvoll ist.









