Oberschule: Schulform der Sekundarstufe in einigen deutschen Bundesländern

Oberschule

Die Oberschule ist eine integrierte Schulform der Sekundarstufe, an der Schüler:innen je nach Leistung mehrere Bildungsabschlüsse erreichen können – vom Hauptschulabschluss bis zum erweiterten Sekundarabschluss I, teils mit eigener Oberstufe bis zum Abitur. Sie ersetzt in mehreren Bundesländern die frühere Trennung von Haupt- und Realschule und existiert unter verschiedenen Namen (Oberschule, Sekundarschule, Stadtteilschule, Gemeinschaftsschule).

Warum sich das Schulsystem verändert hat

Bildung ist in Deutschland Ländersache: Jedes Bundesland gestaltet seine Schulformen eigenständig, was zu deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern führt. Historisch dominierte lange das dreigliedrige System aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Sinkende Schülerzahlen, schwindender Zuspruch für die Hauptschule und die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien wie PISA beschleunigten seit den 2000er-Jahren den Umbau zu integrierten Modellen.

Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung haben inzwischen elf der sechzehn Bundesländer ein zweigliedriges System aus Gymnasium und einer zweiten, integrierenden oder kooperativen Schulform eingeführt; nur Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen halten am dreigliedrigen System fest. Hamburg und Bremen etwa wandelten ihre Haupt- und Realschulen in Stadtteilschulen beziehungsweise Oberschulen um.

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Bundesland Schulformen vor der Reform Aktuelle Schulformen in der Sekundarstufe
Berlin Dreigliedriges System Gymnasium, Sekundarschule
Hamburg Viergliedrigkeit Gymnasien, Stadtteilschulen
Bremen Dreigliedriges System Oberschulen, Gymnasien
Saarland Dreigliedriges System Fusionierte Schulformen
Schleswig-Holstein Dreigliedriges System Fusionierte Schulformen

Bildungsangebote an der Oberschule

Die Oberschule führt Schüler:innen der Klassen 5 bis 10 in der Regel in festen Klassenverbänden, die von einem Lehrer:innenteam über mehrere Jahre begleitet werden. Je nach Leistungsstand können unterschiedliche Abschlüsse erreicht werden, oft in binnendifferenzierten Kursen bei Kernfächern wie Deutsch, Mathematik und Englisch.

Moderne Lernumgebungen in der Oberschule

Jahrgangsstufen Kernfächer Mögliche Abschlüsse Weitere Angebote
5–10 Deutsch, Mathematik, Englisch Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, erweiterter Sekundarabschluss I Wahlpflichtkurse, Fremdsprachen, Berufsorientierung
9–10 (gymnasialer Zweig) Zweite Fremdsprache Vorbereitung auf die gymnasiale Oberstufe Schwerpunkte z. B. Wirtschaft, Technik, Gesundheit

In Bremen etwa gibt es 33 Oberschulen, an denen alle Bildungsabschlüsse erreicht werden können – ein Beispiel dafür, wie flexibel und wohnortnah diese Schulform organisiert sein kann. Wo eine Gesamtschule oder Oberschule fehlt, bleibt der frühe Wechsel zwischen den klassischen Schulformen des Bildungssystems die Regel.

Regionale Unterschiede

Bundesweite Vergleichsstudien wie der IQB-Bildungstrend zeigen seit Jahren deutliche Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern, etwa in Mathematik: Sachsen gehört dabei traditionell zu den leistungsstärksten Ländern, Bremen und Berlin regelmäßig zu den leistungsschwächeren. Solche Unterschiede lassen sich nicht allein auf die Schulform zurückführen, sie hängen auch mit sozioökonomischen Faktoren und der Unterrichtsversorgung zusammen.

Bei den Schulmodellen selbst lassen sich zwei Grundtypen unterscheiden: kooperative Modelle trennen Schüler:innen intern nach Bildungsgang, integrative Modelle unterrichten sie in gemeinsamen Klassen mit binnendifferenziertem Unterricht. Einige Länder, etwa Brandenburg, geben einzelnen Schulen zusätzlich mehr Freiheit bei der Unterrichtsgestaltung, um regionalen Bedürfnissen besser gerecht zu werden.

Vereinzelt gibt es auch private Oberschulen. Sie finanzieren sich überwiegend über Schulgeld, können ihr Lehrpersonal eigenständig auswählen und ihr pädagogisches Konzept freier gestalten als staatliche Schulen – ein Modell, das eng an die Zufriedenheit von Schüler:innen und Eltern gebunden ist.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet die Oberschule von Haupt- und Realschule?

Die Oberschule führt beide Bildungsgänge unter einem Dach zusammen: Schüler:innen erreichen je nach Leistung Haupt- oder Realschulabschluss, teils auch die Vorbereitung auf das Abitur, ohne dass dafür getrennte Schulen besucht werden müssen.

In welchen Bundesländern gibt es Oberschulen?

Die Bezeichnung „Oberschule“ wird unter anderem in Bremen, Niedersachsen und Sachsen verwendet. Andere Bundesländer haben vergleichbare integrierte Schulformen unter anderem Namen, etwa Stadtteilschule in Hamburg oder Sekundarschule in Berlin.

Kann man an der Oberschule das Abitur machen?

Das hängt vom Standort ab. Manche Oberschulen haben eine eigene gymnasiale Oberstufe, andere bereiten Schüler:innen auf den Übergang an ein Gymnasium oder eine berufliche Oberschule vor.

Warum haben so viele Bundesländer das dreigliedrige System abgeschafft?

Sinkende Schülerzahlen, schwindender Zuspruch für die Hauptschule und der Wunsch nach mehr Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen waren zentrale Gründe für den Umbau zu zwei- statt dreigliedrigen Systemen.

Quellen und weiterführende Links