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Die Gesamtschule ist eine Schulform, die die Bildungsgänge von Hauptschule, Realschule und Gymnasium unter einem Dach zusammenführt. Schülerinnen und Schüler lernen von der 5. bis mindestens zur 10. Klasse gemeinsam und können dort je nach Leistung jeden Abschluss der Sekundarstufe I erreichen; an vielen Gesamtschulen ist auch der Weg zum Abitur über eine eigene Oberstufe möglich. Sie bricht damit mit der frühen Aufteilung der Schülerschaft nach der Grundschule, wie sie das traditionelle dreigliedrige Schulsystem vorsieht.
Kooperative und integrierte Gesamtschule
In der Praxis gibt es zwei Grundmodelle. Die Kooperative Gesamtschule (KGS) führt Haupt-, Real- und gymnasialen Bildungsgang als eigenständige, organisatorisch getrennte Zweige unter einem gemeinsamen Dach; ein Wechsel zwischen den Zweigen ist möglich, ohne die Schule zu verlassen. Die Integrierte Gesamtschule (IGS) verzichtet dagegen zunächst ganz auf eine Trennung nach Leistungsniveau: Alle Schülerinnen und Schüler lernen in den ersten Jahren in derselben Klasse, erst später kommen leistungsdifferenzierte Kurse in einzelnen Fächern hinzu. Beide Modelle sind gegenüber der Gymnasium, Hauptschule und Realschule darauf ausgelegt, eine Entscheidung über den Bildungsweg möglichst spät zu erzwingen.
Struktur und mögliche Abschlüsse
Gesamtschulen bieten grundsätzlich alle Abschlüsse an, die in Deutschland an weiterführenden Schulen erreichbar sind: Hauptschulabschluss, mittleren Schulabschluss (Realschulabschluss) und – über die gymnasiale Oberstufe – die allgemeine Hochschulreife. Welcher Abschluss am Ende erreicht wird, hängt von den Leistungen der einzelnen Schülerin oder des einzelnen Schülers ab, nicht von einer frühen Zuweisung nach der Grundschule. Die Durchlässigkeit zwischen den Leistungsniveaus ist dabei ein zentrales Merkmal: Wer sich verbessert, kann in anspruchsvollere Kurse wechseln, ohne die Schule zu verlassen.

Nach der Sekundarstufe I steht Schülerinnen und Schülern offen, eine Berufsausbildung zu beginnen oder in die gymnasiale Oberstufe der Gesamtschule zu wechseln, sofern die schulische Voraussetzung dafür erreicht ist. Alternativ können Interessierte auch an eine Gesamtschule ohne eigene Oberstufe an ein Gymnasium oder eine Oberschule wechseln, um dort das Abitur abzulegen – ähnlich wie es auch von der Oberschule aus möglich ist.
Pädagogisches Konzept: individuelle Förderung und Ganztag
Gesamtschulen setzen stärker als das dreigliedrige System auf individuelle Förderung und Binnendifferenzierung: Innerhalb einer Klasse oder eines Kurses arbeiten Lehrkräfte mit unterschiedlichen Materialien und Methoden, um Schülerinnen und Schülern mit verschiedenem Lerntempo gerecht zu werden. Die meisten Gesamtschulen sind als Ganztagsschulen organisiert und bieten über den Vormittagsunterricht hinaus Förder-, Arbeitsgemeinschafts- und Freizeitangebote an.
| Bildungselement | Zielsetzung | Umsetzung |
|---|---|---|
| Individuelle Förderpläne | Lernprozesse an die einzelne Schülerin bzw. den einzelnen Schüler anpassen | Differenzierung im Unterricht durch angepasste Materialien und Methoden |
| Ganztagsangebote | Förderung überfachlicher Kompetenzen | Arbeitsgemeinschaften, Sport- und Kulturangebote im Schulalltag |
| Kooperatives Lernen | Soziale Kompetenzen stärken | Team- und Gruppenarbeit in leistungsheterogenen Gruppen |
| Berufsorientierung | Vorbereitung auf Ausbildung oder Studium | Praktika und Kooperationen mit Betrieben |
Inklusion und soziale Durchmischung
Weil Gesamtschulen bewusst auf eine frühe Trennung nach Leistung verzichten, gilt die Schulform als besonders geeignet für Inklusion und den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit unterschiedlichem Förderbedarf und unterschiedlicher Herkunft. Der Umgang mit Heterogenität – unterschiedlichen Lerntempi, Sprachständen und Vorkenntnissen – gehört zum pädagogischen Alltag und stellt entsprechende Anforderungen an Fortbildung und Ausstattung der Lehrkräfte.
Geschichte: vom Schulversuch zur etablierten Schulform
Die Gesamtschule entstand aus den Bildungsreformen der 1960er-Jahre, die eine Alternative zur frühen Aufteilung nach der Grundschule suchten. Die erste staatliche Gesamtschule Westdeutschlands eröffnete 1968 in Berlin-Gropiusstadt; 1969 folgten in Nordrhein-Westfalen sieben weitere Gesamtschulen als Schulversuch, unter anderem in Dortmund, Gelsenkirchen und Münster. Aus diesen Modellversuchen wurde die Gesamtschule schrittweise zu einer regulären Schulform in fast allen Bundesländern ausgebaut. Bundesweit besuchten laut Kultusministerkonferenz im Schuljahr 2023/24 rund 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler eine Integrierte Gesamtschule an bundesweit gut 2.200 Schulen – die Schülerzahl hat sich damit gegenüber früheren Erhebungen deutlich erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet die Gesamtschule vom dreigliedrigen Schulsystem?
Die Gesamtschule trennt Schülerinnen und Schüler nicht schon nach der Grundschule nach Leistungsniveau, sondern lässt sie gemeinsam lernen und öffnet innerhalb der Schule alle Abschlüsse. Im dreigliedrigen System entscheidet dagegen der Übertritt in Haupt-, Real- oder Gymnasialschule früh über den weiteren Weg.
Kann man an einer Gesamtschule Abitur machen?
Ja, viele Gesamtschulen führen eine eigene gymnasiale Oberstufe. Gesamtschulen ohne eigene Oberstufe ermöglichen den Wechsel an eine Schule mit Oberstufe, sofern die schulischen Voraussetzungen erfüllt sind.
Was ist der Unterschied zwischen kooperativer und integrierter Gesamtschule?
Die kooperative Gesamtschule (KGS) führt Haupt-, Real- und Gymnasialzweig organisatorisch getrennt unter einem Dach, ein Wechsel zwischen den Zweigen ist möglich. Die integrierte Gesamtschule (IGS) unterrichtet zunächst ohne Leistungstrennung gemeinsam und differenziert erst später über einzelne Kurse.
Ist die Gesamtschule in allen Bundesländern gleich organisiert?
Nein, Schulorganisation ist Ländersache. Bezeichnung, Aufbau und Verbreitung der Gesamtschule unterscheiden sich zwischen den Bundesländern, das Grundprinzip einer Schule für alle Bildungsgänge bleibt aber gleich.









