Offene Hochschule: Hochschule mit flexiblen Zugangsvoraussetzungen

offene Hochschule

Die Offene Hochschule bezeichnet ein bildungspolitisches Leitbild und konkrete Hochschulangebote, die den Zugang zum Studium über die klassische Hochschulreife hinaus öffnen. Im Mittelpunkt stehen flexible Studienformate, die Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen und Angebote, die sich gezielt an Berufstätige, Berufsrückkehrer:innen und Menschen ohne traditionellen Bildungsweg richten.

Ausgangslage und politisches Ziel

Lange bestimmten formale Zulassungsverfahren den Hochschulzugang in Deutschland weitgehend über die Hochschulreife. 2008 beschlossen Bund und Länder im Rahmen der Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung“, die Studienanfängerquote auf 40 Prozent eines Jahrgangs zu steigern – ein Ziel, das bereits 2014 mit über 50 Prozent deutlich übertroffen wurde. Ein zentraler Baustein dieser Initiative war der Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“, der von 2011 bis 2020 Hochschulen dabei unterstützte, berufsbegleitende und wissenschaftliche Weiterbildungsangebote aufzubauen.

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Mit rund 250 Millionen Euro Bundesförderung wurden in diesem Zeitraum 376 wissenschaftliche Weiterbildungsprogramme an 101 überwiegend staatlichen Hochschulen dauerhaft in den Regelbetrieb überführt.

Zeitraum Ergebnis
2008 Zielbeschluss: Studienanfängerquote auf 40 % steigern
2011–2020 376 Weiterbildungsprogramme an 101 Hochschulen in den Regelbetrieb überführt

Zentrale Bausteine

Eine offene Hochschule stützt sich typischerweise auf mehrere Elemente:

  • Anrechnung beruflicher Kompetenzen: Seit 2006 entwickelt die ANKOM-Initiative Verfahren, um außerhochschulisch erworbenes Wissen auf ein Studium anzurechnen und so Studienzeiten zu verkürzen.
  • Flexible Studienformate: Teilzeitstudium, duales Studium, E-Learning und Blended Learning erleichtern es, Studium und Beruf oder Familie zu vereinbaren.
  • Zielgruppenorientierte Beratung: Angebote richten sich unter anderem an Berufsrückkehrer:innen, Menschen ohne Schulabschluss und Arbeitslose, mit Unterstützung bei Immatrikulation, Anerkennung und Karriereplanung.
  • Microcredentials: Kleinere, eigenständig zertifizierte Lerneinheiten sollen deutsche Hochschulen international anschlussfähiger machen; an einheitlichen Qualitätsstandards dafür wird derzeit gearbeitet.

Hochschulentwicklung

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Wer von offenen Hochschulangeboten profitiert

Offene Hochschulangebote richten sich an eine breite Zielgruppe: Berufstätige, die sich neben dem Job weiterqualifizieren, Berufsrückkehrer:innen nach Familienphasen, Menschen mit Behinderung sowie Personen, die über berufliche Erfahrung statt über ein klassisches Abitur den Hochschulzugang suchen. Wer sich das Studium in eigenem Tempo einteilen möchte, findet ergänzend im Fernstudium oder im begleiteten Selbststudium passende Formate.

Praxisbeispiele zeigen, wie das umgesetzt wird: An der Leuphana Universität Lüneburg etwa richtet sich die Leuphana Professional School gezielt an berufsbegleitend Studierende, und regionale Bildungsnetzwerke wie die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen kooperieren mit Universitäten, um Beratung und Anrechnung vor Ort anzubieten.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet eine offene Hochschule von einer klassischen Hochschule?

Eine offene Hochschule erweitert den Zugang über die klassische Hochschulreife hinaus, etwa durch Anrechnung beruflicher Kompetenzen, und bietet gezielt Formate für Berufstätige und Menschen mit non-traditionellem Bildungsweg an.

Kann ich ohne Abitur an einer offenen Hochschule studieren?

In vielen Bundesländern ist ein Hochschulzugang auch ohne Abitur möglich, etwa über eine abgeschlossene Berufsausbildung mit mehrjähriger Berufserfahrung oder eine Meisterprüfung. Die genauen Voraussetzungen regeln die Länder und Hochschulen unterschiedlich.

Was bringt die Anrechnung beruflicher Kompetenzen konkret?

Anerkannte berufliche Kenntnisse können unter bestimmten Voraussetzungen als Studienleistung angerechnet werden und so die Studiendauer verkürzen. Die konkreten Verfahren und Anrechnungsgrenzen legt jede Hochschule selbst fest.

Was sind Microcredentials?

Microcredentials sind kleinere, eigenständig zertifizierte Lerneinheiten unterhalb eines vollständigen Studienabschlusses. Sie sollen kürzere, flexiblere Weiterbildungsnachweise ermöglichen und die internationale Vergleichbarkeit deutscher Angebote verbessern.

Quellen und weiterführende Links