Umschulung: Ausbildung in einem neuen Berufsfeld

Umschulung

Eine Umschulung ist eine Ausbildung in einem neuen Berufsfeld, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führt. Anders als die klassische Ausbildung richtet sie sich an Menschen, die bereits im Berufsleben stehen oder standen und sich neu orientieren – etwa weil der bisherige Beruf keine Zukunft mehr bietet oder gesundheitliche Gründe einen Wechsel nötig machen. Betriebliche Umschulungen dauern in der Regel rund zwei Jahre und damit kürzer als eine reguläre Erstausbildung.

Wege zur Umschulung: betrieblich oder über Bildungsträger

Bei einer betrieblichen Umschulung sammeln die Teilnehmenden Berufserfahrung direkt im Unternehmen und erhalten häufig eine tarifliche Vergütung, die sich an der eines Auszubildenden im zweiten Lehrjahr orientiert. Umschulungen über Bildungsträger finden dagegen in Vollzeit oder Teilzeit außerhalb eines konkreten Betriebs statt, oft ergänzt um Zusatzqualifikationen für bestimmte Softwaresysteme oder Methoden. Hier gibt es in der Regel kein Gehalt, dafür aber Anspruch auf Fördermittel oder Arbeitslosengeld während der Maßnahme. Bei Teilzeit oder berufsbegleitendem Format verlängert sich die Umschulungsdauer entsprechend.

Moderne Bildungseinrichtungen für Umschulung

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Finanzierung und Förderung

Die Agentur für Arbeit fördert anerkannte Umschulungen über den Bildungsgutschein. Voraussetzung ist in der Regel, dass die Person arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen oder abgebrochen hat und die berufliche Neuorientierung notwendig ist, weil im angestrebten Beruf ausreichend Bedarf besteht. Auch Renten- und Krankenversicherungsträger können die Kosten übernehmen, etwa im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation.

  1. Beantragung eines Bildungsgutscheins bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter
  2. Wahl einer anerkannten, förderfähigen Umschulung
  3. Nachweis der Förderkriterien und der Notwendigkeit der Neuorientierung
  4. Abschluss der Umschulung, ggf. mit Anspruch auf Weiterbildungsprämie

Bei geförderten Umschulungen mit einer Gesamtdauer von mindestens zwei Jahren sieht das Gesetz (§ 131a SGB III) eine Weiterbildungsprämie vor: 1.000 Euro nach bestandener Zwischenprüfung und weitere 1.500 Euro nach bestandener Abschlussprüfung, insgesamt also bis zu 2.500 Euro.

Umschulung für Menschen mit Behinderung

Für Rehabilitandinnen und Rehabilitanden ist die Umschulung ein zentraler Weg zur beruflichen Wiedereingliederung. Der Prozess beginnt mit einer Bedarfsanalyse und Beratung; spezialisierte Bildungseinrichtungen für berufliche Rehabilitation bieten dafür passende Programme, technische Hilfsmittel und Begleitung durch Fachpersonal wie Psychologinnen oder Sozialpädagogen. Gefördert wird die Maßnahme über Bildungsgutscheine oder einen Reha-Bescheid des zuständigen Rehabilitationsträgers.

Die Externenprüfung als Weg zum Berufsabschluss

Wer bereits einschlägige Berufserfahrung hat, kann einen anerkannten Berufsabschluss auch ohne vorherige formale Ausbildung über die Externenprüfung erreichen. Sie wird von den zuständigen Kammern, etwa der IHK, abgenommen. Voraussetzung ist üblicherweise eine praktische Berufstätigkeit von mindestens dem Anderthalbfachen der regulären Ausbildungszeit im entsprechenden Beruf. Vorbereitungslehrgänge unterschiedlicher Länge helfen, gezielt auf die Prüfung hinzuarbeiten; anders als bei einer Zwischenprüfung im Rahmen einer klassischen Ausbildung erfolgt hier keine kontinuierliche betriebliche Ausbildung, sondern die Anerkennung bereits vorhandener Praxiserfahrung.

Quereinstieg als Alternative zur klassischen Umschulung

In Branchen mit ausgeprägtem Fachkräftemangel – etwa der IT – bietet der Quereinstieg eine schnellere Alternative zur mehrjährigen Umschulung. Laut Bitkom gab es Ende 2020 rund 86.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte in Deutschland; entsprechend groß ist die Nachfrage nach Quereinsteigenden mit passenden Grundkenntnissen, auch ohne einschlägigen Ausbildungsabschluss. Kompakte Vorbereitungskurse vermitteln in kurzer Zeit gezielt die Grundlagen für einen bestimmten Einstiegsberuf. Wer einen solchen Weg erwägt, sollte Kursanbieter, Kosten und die tatsächlichen Jobaussichten im Zielberuf vor Kursbeginn sorgfältig vergleichen, da sich Angebote in Umfang und Qualität stark unterscheiden.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine Umschulung?

Eine betriebliche Umschulung dauert meist rund zwei Jahre. Umschulungen über Bildungsträger können je nach Vollzeit- oder Teilzeitformat kürzer oder deutlich länger dauern.

Wer bezahlt eine Umschulung?

Je nach Fall trägt die Agentur für Arbeit über den Bildungsgutschein die Kosten, seltener auch Renten- oder Krankenversicherung. Bei betrieblichen Umschulungen zahlt meist der Betrieb eine Vergütung.

Was ist der Unterschied zwischen Umschulung und Externenprüfung?

Eine Umschulung ist eine mehrjährige, strukturierte Ausbildung in einem neuen Beruf. Die Externenprüfung erkennt dagegen bereits vorhandene praktische Berufserfahrung ohne vorherige formale Ausbildung an.

Ist Quereinstieg eine Alternative zur Umschulung?

In Berufen mit hohem Fachkräftebedarf und geringeren formalen Hürden kann ein Quereinstieg schneller zum Ziel führen als eine vollständige Umschulung, ersetzt aber nicht in jedem Beruf einen anerkannten Abschluss.

Quellen und weiterführende Links