Die Berufsschule ist der schulische Teil der dualen Ausbildung in Deutschland. Sie vermittelt berufsspezifisches Fachwissen und allgemeinbildende Inhalte und ergänzt damit die praktische Ausbildung im Betrieb. Je nach Ausbildungsberuf dauert die Ausbildung zwischen zwei und dreieinhalb Jahren; der Unterricht findet meist an ein bis zwei Tagen pro Woche oder im Blockunterricht statt.
Rolle im dualen Ausbildungssystem
Die duale Berufsausbildung beginnt mit einem Ausbildungsvertrag zwischen Auszubildendem und Betrieb. Praktische Erfahrung im Unternehmen und theoretischer Unterricht in der Berufsschule wechseln sich während der gesamten Ausbildungszeit ab. Die Unterrichtszeit an der Berufsschule zählt als Arbeitszeit und wird bei der zulässigen Wochenarbeitszeit berücksichtigt; dauert ein Berufsschultag mehr als fünf Stunden, entfällt für diesen Tag in der Regel die Beschäftigung im Betrieb.
Struktur des Unterrichts
Der Unterricht gliedert sich in allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie berufsspezifische Lernfelder, die fachliches Wissen für den jeweiligen Ausbildungsberuf vermitteln. Grundlage sind die Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz, die mit den bundesweiten Ausbildungsordnungen abgestimmt sind. Auszubildende führen zusätzlich verpflichtend ein Berichtsheft (Ausbildungsnachweis) nach § 43 Berufsbildungsgesetz, das die im Betrieb und in der Schule vermittelten Inhalte dokumentiert und Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung ist.
Vergütung während der Ausbildung
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, gilt bundesweit folgende gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach dem Berufsbildungsgesetz:
| Ausbildungsjahr | Mindestvergütung pro Monat |
|---|---|
| 1. Jahr | 724 Euro |
| 2. Jahr | 854 Euro |
| 3. Jahr | 977 Euro |
| 4. Jahr | 1.014 Euro |
Tarifverträge sehen in vielen Branchen höhere Vergütungen vor; die gesetzliche Mindestvergütung wird jährlich anhand der durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen der Vorjahre angepasst.
Abschlüsse und Zeugnisse
Am Ende der Ausbildung erhalten Auszubildende bis zu drei Zeugnisse: das Zeugnis der Berufsschule mit den schulischen Noten, das Prüfungszeugnis der zuständigen Kammer (meist IHK oder Handwerkskammer) über die bestandene Abschlussprüfung sowie ein betriebliches Zeugnis über die im Unternehmen erworbenen Kenntnisse. Die zuständige Kammer legt die Prüfungsordnung fest und überwacht die Abschlussprüfung.
Berufsschule und Berufsfachschule im Vergleich
| Merkmal | Berufsschule | Berufsfachschule |
|---|---|---|
| Voraussetzung | Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb | Kein Ausbildungsvertrag erforderlich |
| Ausbildungsart | Duales System (Betrieb und Schule) | Vollzeitschulische Ausbildung |
| Praktische Erfahrung | Im Ausbildungsbetrieb | Durch Praktika in verschiedenen Einrichtungen |
Die Berufsfachschule eignet sich insbesondere für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz oder für Berufe, die vollzeitschulisch ausgebildet werden, etwa in Teilen des Gesundheits- und Sozialwesens.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft findet Berufsschulunterricht statt?
Meist an ein bis zwei Tagen pro Woche oder im Blockunterricht mit mehreren zusammenhängenden Wochen; die genaue Organisation legt die jeweilige Berufsschule in Abstimmung mit den Ausbildungsbetrieben fest.
Zählt die Berufsschulzeit zur Arbeitszeit?
Ja, die Unterrichtszeit an der Berufsschule wird auf die zulässige Wochenarbeitszeit angerechnet. Bei einem Berufsschultag von mehr als fünf Stunden entfällt in der Regel die anschließende Beschäftigung im Betrieb.
Was passiert bei unentschuldigtem Fehlen in der Berufsschule?
Unentschuldigtes Fernbleiben verstößt gegen die Schulpflicht und kann arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Gefährdung des Ausbildungsverhältnisses nach sich ziehen. Bei Krankheit oder anderen Gründen ist eine rechtzeitige Entschuldigung bei Schule und Betrieb erforderlich.
Kann man an der Berufsschule zusätzlich das Abitur oder die Fachhochschulreife erwerben?
In einigen Bundesländern gibt es Zusatzangebote, mit denen leistungsstarke Auszubildende parallel zur Berufsausbildung die Fachhochschulreife oder das Abitur erwerben können. Angebot und Ausgestaltung unterscheiden sich je nach Bundesland und Berufsschule.
Quellen und weiterführende Links
- Kultusministerkonferenz: Rahmenlehrpläne und Ausbildungsordnungen
- BIBB: Mindestausbildungsvergütung 2026
- Bundesministerium für Wirtschaft: Ausbildung und Beruf










