Open Access bezeichnet den kostenfreien und frei zugänglichen Zugriff auf wissenschaftliche Publikationen im Internet, ohne finanzielle, rechtliche oder technische Hürden. Der Begriff etablierte sich in den 1990er-Jahren als Reaktion auf stark steigende Preise für Zeitschriftenabonnements und meint sowohl eine Bewegung als auch konkrete Publikationsmodelle für Fachartikel, Bücher und Forschungsdaten.
Entstehung und Entwicklung
Die Idee reicht bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück: Der Soziologe Robert K. Merton vertrat bereits damals die Auffassung, wissenschaftliche Erkenntnisse gehörten der gesamten Forschungsgemeinschaft. Als eigenständige Bewegung formierte sich Open Access jedoch erst in den 1990er-Jahren, ausgelöst auch durch deutlich gestiegene Abonnementpreise wissenschaftlicher Zeitschriften, die viele Bibliotheken finanziell zunehmend belasteten.
Zwei Erklärungen setzten Anfang der 2000er-Jahre die entscheidenden Impulse: die Budapest Open Access Initiative (2002) und die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (2003). Beide forderten, Forschungsergebnisse online frei zugänglich zu machen, und prägen bis heute die Selbstverpflichtungen von Hochschulen und Förderorganisationen.
Nach Zahlen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erschienen zwischen 2015 und 2019 rund 44 Prozent der deutschen Zeitschriftenartikel als Open Access. Das Directory of Open Access Journals (DOAJ), das 2003 mit rund 300 gelisteten Titeln startete, verzeichnet inzwischen mehrere zehntausend Zeitschriften. Plan S, eine Initiative europäischer Forschungsförderer, verlangt seit 2021, dass öffentlich finanzierte Forschung sofort und ohne Embargo frei zugänglich veröffentlicht wird.
„Das Ziel der Budapest Open Access Initiative war es, eine weltweite Bewegung zu schaffen, die den freien und unbegrenzten Zugang zu wissenschaftlichem Wissen fördert und unterstützt.“
Der Schweizerische Nationalfonds verlangt seit dem 1. Januar 2023 von geförderten Forschenden, ihre Artikel sofort und ohne Embargo unter einer CC-BY-Lizenz zugänglich zu machen – ein Beispiel dafür, wie Förderorganisationen die Regeln zunehmend verschärfen.
| Jahr | Open-Access-Artikel | Closed-Access-Artikel |
|---|---|---|
| 2022 | ca. 57 % | ca. 43 % |
Der Anteil offen zugänglicher Publikationen wächst damit stetig, auch wenn ein vollständiger Umstieg noch nicht erreicht ist.
Warum Open Access die Wissenschaft verändert
Open Access verändert, wie wissenschaftliches Arbeiten stattfindet: Ergebnisse sind nicht mehr nur zahlenden Institutionen vorbehalten, sondern für alle Interessierten abrufbar – auch für Forschende und Studierende in Ländern, deren Bibliotheken sich teure Lizenzen nicht leisten können.
Höhere Sichtbarkeit und Nutzung
Ohne Bezahlschranke wird ein Artikel leichter gefunden, gelesen und zitiert. Das begünstigt den fachlichen Austausch und beschleunigt, wie neue Erkenntnisse in laufende Forschung einfließen.
Gleicherer Zugang weltweit
Open Access hilft besonders Forschenden aus einkommensschwächeren Regionen, gleichberechtigt am wissenschaftlichen Diskurs teilzunehmen. Lizenzmodelle wie Creative Commons regeln dabei, wie Texte weiterverwendet werden dürfen – ein Punkt, der eng mit Fragen des Urheberrechts zusammenhängt.
| Lizenztyp | Bedeutung |
|---|---|
| CC-BY (Namensnennung) | Freie Nutzung und Bearbeitung, Urheber muss genannt werden |
| CC-BY-ND (keine Bearbeitung) | Weitergabe erlaubt, Veränderungen nicht |
| CC-BY-NC (nicht kommerziell) | Nutzung nur außerhalb kommerzieller Zwecke |
| CC-BY-SA (Weitergabe unter gleichen Bedingungen) | Bearbeitungen müssen unter derselben Lizenz stehen |
Grüner und Goldener Weg
Zwei Strategien setzen Open Access in der Praxis um. Beim Grünen Weg archivieren Forschende ihre Manuskripte zusätzlich zur regulären Verlagsveröffentlichung selbst in einem Repositorium, oft nach einer Embargofrist. Beim Goldenen Weg erscheint der Artikel direkt und sofort frei zugänglich in einer Open-Access-Zeitschrift, häufig gegen eine Publikationsgebühr.
Die Technische Universität München fördert seit 2014 aktiv die Selbstarchivierung ihrer Forschenden über das Repositorium mediaTUM und unterstützt damit den Grünen Weg institutionell.
Wer die Kosten trägt
Beim Goldenen Weg fallen häufig sogenannte Article Processing Charges (APC) an, die Autor:innen oder ihre Institution zahlen. Viele Hochschulen und Förderorganisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterhalten dafür eigene Publikationsfonds. Daneben existieren zahlreiche Open-Access-Zeitschriften ohne Gebühren, die von Fachgesellschaften oder ehrenamtlicher Redaktionsarbeit getragen werden – für Bibliotheken und Autor:innen eine kostengünstige Alternative, die aber stärker von freiwilligem Engagement abhängt.
Wer sich vertieft mit den handwerklichen Anforderungen wissenschaftlicher Texte beschäftigt, findet dazu Hintergrund im Beitrag zur Dissertation sowie zur Recherche in einer Universitätsbibliothek, die Open-Access-Bestände zunehmend neben klassischer Fachliteratur katalogisiert.
Häufig gestellte Fragen
Ist Open Access dasselbe wie kostenlos für alle Beteiligten?
Für Leser:innen ja, für Autor:innen nicht zwangsläufig: Beim Goldenen Weg zahlen häufig Autor:innen oder ihre Institution eine Publikationsgebühr, damit der Artikel für alle anderen frei zugänglich ist.
Darf ich einen frei zugänglichen Artikel einfach weiterverwenden?
Das hängt von der Lizenz ab. Eine CC-BY-Lizenz erlaubt Weiterverwendung und Bearbeitung mit Namensnennung, eine CC-BY-ND-Lizenz verbietet Veränderungen. Die jeweilige Lizenz steht in der Regel direkt beim Artikel.
Was unterscheidet Grünen und Goldenen Weg konkret?
Der Grüne Weg bedeutet Selbstarchivierung eines Manuskripts zusätzlich zur Verlagsveröffentlichung, oft nach einer Embargofrist. Der Goldene Weg bedeutet Direktveröffentlichung in einer Open-Access-Zeitschrift, sofort frei zugänglich.
Verlangen alle Förderorganisationen inzwischen Open Access?
Nicht alle, aber die Vorgaben verschärfen sich: Initiativen wie Plan S und Förderer wie der Schweizerische Nationalfonds verlangen für geförderte Projekte inzwischen sofortige, embargofreie Veröffentlichung.










