Weiterbildung: Erweiterung oder Vertiefung von beruflichem Wissen

Weiterbildung

Weiterbildung bezeichnet die Erweiterung oder Vertiefung von beruflichem Wissen nach Abschluss der Erstausbildung oder des Studiums. Sie ist ein zentraler Baustein des lebenslangen Lernens und reicht von kurzen Zertifikatskursen über Workshops bis zu berufsbegleitenden Masterprogrammen. Anders als die formale Erstausbildung ist Weiterbildung meist freiwillig und richtet sich nach individuellem Bedarf oder betrieblichen Anforderungen.

Weiterbildung im Kontext des lebenslangen Lernens

Lebenslanges Lernen umfasst alle Bildungsaktivitäten nach der Erstausbildung – von formalem Lernen mit Abschluss und Zertifikat über informelles Lernen im Arbeitsalltag bis zu selbstgesteuertem Lernen in Eigeninitiative.

Art des Lernens Merkmale Nutzen
Formales Lernen strukturiert, mit Zertifikat oder Abschluss akademische und berufliche Anerkennung
Informelles Lernen unstrukturiert, situationsbasiert, z. B. im Kollegenaustausch praktische Fähigkeiten, unmittelbarer Praxisbezug
Selbstgesteuertes Lernen eigeninitiativ, flexibel Unabhängigkeit, Anpassungsfähigkeit

Wie groß der gesellschaftliche Bedarf an Grundbildung neben beruflicher Weiterbildung ist, zeigt die LEO-Studie 2018 der Universität Hamburg: Rund 6,2 Millionen deutschsprachige Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren gelten als gering literalisiert, haben also erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Die von Bund und Ländern getragene „Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ (2016–2026) will diese Zahl senken und macht damit deutlich, dass Weiterbildung im weiteren Sinn auch grundlegende Kompetenzen einschließt, nicht nur Fachwissen.

Weiterbildungsformate

berufliche Kompetenzentwicklung

Format Vorteile Typischer Einsatzbereich
Präsenzkurs direkter Austausch, praktische Übung technische Fertigkeiten, Teamarbeit
Online-Kurs Flexibilität, Ortsunabhängigkeit theoretische Inhalte, Zertifizierungen
Workshop interaktiv, praxisnah Soft Skills, konkrete Tool-Schulungen
Seminar fokussiertes, intensives Lernen Fachvertiefung, Compliance-Themen
Konferenz Vernetzung, Überblick über Trends Brancheneinblick, Austausch
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Welches Format passt, hängt vom Lernziel ab: Wer praktische Fertigkeiten erwerben will, ist in Kursen und Workshops meist besser aufgehoben als in reinen Vortragsformaten. Ergänzend bieten manche Arbeitgeber eine Hospitation an, um vor einer Weiterbildung in ein Themenfeld hineinzuschnuppern.

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Weiterbildung versus Fortbildung

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) unterscheidet Fortbildung von Weiterbildung im weiteren Sinn. Fortbildung zielt darauf, vorhandene berufliche Fähigkeiten zu erhalten oder auszubauen – als Anpassungsfortbildung (Wissen aktuell halten) oder Aufstiegsfortbildung (z. B. Meister, Fachwirt). Anbieter sind vor allem Kammern wie die IHK und Berufsverbände, die Dauer reicht vom Wochenendkurs bis zu mehrmonatigen Programmen. Weiterbildung ist der weiter gefasste Begriff: Sie wird auch von Hochschulen und Volkshochschulen angeboten, kann bis zu mehreren Jahren dauern und richtet sich sowohl an Fachkräfte als auch an Quereinsteigende, die sich neu orientieren.

Wer während einer laufenden Beschäftigung eine Weiterbildung besucht, kann in den meisten Bundesländern gesetzlichen Bildungsurlaub in Anspruch nehmen – üblich sind bis zu fünf Arbeitstage pro Jahr. Für längere Aufstiegsfortbildungen, etwa zum Meister oder Fachwirt, unterstützt das Aufstiegs-BAföG bei der Finanzierung.

In Unternehmen ist Weiterbildung meist Teil der Personalentwicklung: Statt allein auf Fachwissen zu setzen, verschiebt sich der Fokus vieler Angebote zunehmend in Richtung Kompetenzorientierung – also auf konkrete, anwendbare Fähigkeiten statt auf reines Faktenwissen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Weiterbildung und Fortbildung?

Fortbildung ist enger gefasst und dient dem Erhalt oder Ausbau vorhandener beruflicher Fähigkeiten, oft mit Bezug zum BBiG. Weiterbildung ist der Oberbegriff und umfasst zusätzlich Umschulungen, akademische Weiterbildung und allgemeine Grundbildung.

Wer trägt die Kosten einer Weiterbildung?

Das hängt vom Anlass ab: Betriebliche Weiterbildungen finanzieren häufig Arbeitgeber, individuelle Aufstiegsfortbildungen lassen sich über das Aufstiegs-BAföG fördern, weitere Angebote sind teilweise steuerlich absetzbar.

Wie viele Tage Bildungsurlaub stehen mir zu?

In den Bundesländern mit entsprechendem Gesetz sind es meist bis zu fünf Arbeitstage pro Kalenderjahr; einige Länder kennen keinen gesetzlichen Anspruch. Die genaue Regelung hängt vom jeweiligen Landesgesetz ab.

Zählt auch informelles Lernen als Weiterbildung?

Im weiteren Sinn ja: Selbstgesteuertes Lernen und der informelle Austausch mit Kolleginnen und Kollegen gehören zum lebenslangen Lernen, auch wenn sie nicht mit einem Zertifikat enden.

Quellen und weiterführende Links